Hausbank Mitarbeiter erzählen, wie sie andere große Krisen erlebt haben - und wieso Krisen auch Chancen bieten

"Nach der Krise ist vor der Krise"

Peter Sedlmeir, Vorstand Produktion und Steuerung, Vorstandssprecher, seit 18 Jahren bei der Hausbank München

Gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern schauen Sie zurück auf andere große Krisen, die sie gemeistert haben – was versprechen Sie sich von dem Rückblick?

Es geht um einen Rückblick für den Ausblick: In der aktuellen Corona-Krise sind viele Menschen verunsichert. Ihre Sorge gilt in erster Linie ihrer Gesundheit, danach aber sofort auch ihrem Geld. Die Hausbank München hat schon viele ernste Krisen – darunter auch Pandemien wie die Spanische Grippe 1918-1920 oder die Hongkong-Grippe 1968-1970, die Schrottimmobilienkrise Anfang der 1990iger Jahre, das Platzen der Dot-Com-Blase in den Nuller Jahren, die Terroranschläge vom 11. September 2001 oder die globale Finanzkrise – erlebt und durchlebt, da sie bereits seit fast 112 Jahren existiert. Wir wollen anderen Mut machen und Zuversicht geben, indem wir unsere Mitarbeiter zu Wort kommen lassen, wie sie große Herausforderungen erlebt und gemeistert haben. Die Antworten unserer Mitarbeiter zeigen, dass jede Krise vorübergeht und auch wieder bessere Zeiten kommen. Sie zeigen aber auch, dass jede Krise Chancen birgt, beispielsweise, weil Vermögen nicht selten in der Krise geschaffen werden.

Warum glauben Sie, dass die Hausbank München die Krisen besser überstanden hat als andere Unternehmen?

Ein Grund für den erfolgreichen Umgang mit den genannten Krisen und die Beständigkeit unseres Instituts mag neben den grundsätzlichen Unternehmenswerten – wie solider Umgang mit dem anvertrauten Geld, keine Spekulationen, keine wesensfremden Geschäfte und kein Streben nach schnellem Gewinn – vor allem auch in der genossenschaftlichen Struktur unseres Instituts zu finden sein: Die Hausbank München wurde 1908 als genossenschaftliche Selbsthilfeeinrichtung für Hausbesitzer gegründet und hat sich verpflichtet, langfristig und nachhaltig zu wirtschaften und für ihre Kunden und Mitglieder ein solider und verlässlicher Finanzpartner zu sein.
Unser Institut wird seine strategische Ausrichtung auf das Geschäft mit Firmen- und Privatkunden in der Region auch zukünftig beibehalten. Rückblickend auf das Jahrzehnt nach der Finanzkrise stellen wir einen enormen Vertrauenszuwachs bei unseren Kunden fest. Die Kunden wissen, was sie an einer Genossenschaftsbank mit einem soliden, verständlichen Geschäftsmodell haben. Sie schätzen vor allem, dass man mit uns „noch reden kann“.

Wie stehen Sie in der aktuellen Krise Ihren Kunden zur Seite?

Auch in der derzeitigen Krise stehen wir zu unserer Verantwortung und unterstützen unsere Kunden zügig und unbürokratisch bei der Beantragung und Ausreichung der von staatlicher Seite zur Verfügung gestellten Hilfsgelder, seien es Soforthilfen oder Darlehen. Banken haben aus meiner Sicht den gesellschaftlichen Auftrag, nicht nur in guten Zeiten, sondern auch bei Eintrübung der Konjunktur den Kreditzugang aufrechtzuerhalten.
Neben unseren Firmenkunden haben wir auch unseren von der Krise betroffenen Privatkunden ein Beratungsgespräch für die sachliche Darlegung der Wirkungszusammenhänge der Krise und die Vorstellung geeigneter Anlagealternativen angeboten. Im Rahmen der Beratung werden den Kunden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Vermögensanlage individuell neu ausgerichtet werden kann. Erfreulich ist, dass bereits viele Kunden diese Beratung in Anspruch genommen haben und über einen geänderten Geldanlagemix die negativen Auswirkungen der Krise mindern konnten.

Was war Ihre schlimmste Krise und was haben Sie aus dieser für Ihr weiteres Berufsleben mitgenommen?

In den letzten Jahren hat – gefühlt – eine Krise die nächste gejagt: Nach der Krise ist immer vor der Krise. Meine persönlich größte Krise war, mich von der Illusion verabschieden zu müssen, dass irgendwann einmal alle Krisen gemeistert sind, Ruhe herrscht und endlich alles gut ist.
Um Krisen zu bewältigen, darf man nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren. Ich habe gelernt, meinen inneren Fokus auf die neuen, sich bietenden Chancen zu lenken, anstatt klagend und jammernd in den Chor derer einzustimmen, die alles nur negativ sehen.


„Schneller – höher – besser führt nicht zum Ziel“

Sonja Kißlinger, Abteilungsleiterin Kompetenz-Center Immobilienverwaltung, seit 29 Jahren bei der Hausbank München

Welche war die schlimmste Krise, die Sie erlebt haben?

Die globale Finanz-, Euro- und Bankenkrise würde ich als schlimmste Krise meiner beruflichen Laufbahn betrachten, da sie nicht nur kurz- und mittelfristig, sondern insbesondere auch langfristig Auswirkungen in vielen Bereichen – Immobilien, Handel, Arbeitsmarkt usw. – hatte und zu zahlreichen Veränderungen geführt hat.

Wie haben Sie die Krise damals erlebt?

Für mich wurde in der Krise deutlich, dass das Prinzip „schneller – höher – besser“, egal ob beruflich oder privat, nicht wirklich zum Ziel führt. Viele Unternehmen hatten lange mit den Folgen der Krise zu kämpfen oder mussten den Geschäftsbetrieb einstellen. Ab dem Jahr 2007/8 konnte man beobachten, dass eine detaillierte Planung aller Prozesse sowie deren regelmäßige Überprüfung und Nachjustierung immer mehr an Bedeutung gewann.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Solide Planung, realistische Ziele, Zufriedenheit mit dem Erreichten und in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf und Ruhe bewahren. Zudem das Ganze aus Sicht der Verantwortlichen zwischendurch immer mal wieder mit dem nötigen Abstand – sozusagen aus der Vogelperspektive – überprüfen. All dies ist hilfreicher als zu viele, vermeintlich gut gemeinte Ratschläge oder blinder Aktionismus.

Eine weitere Erkenntnis: Auf Zusammenhalt und Teamgeist sowie Wertekultur wird seit der Krise wieder mehr geachtet als zuvor.

Welche Fragen beschäftigen Kunden in der aktuellen Krise ganz besonders?

Im Vordergrund steht ganz klar der Erhalt der Gesundheit von Familie und Kollegen bzw. Mitarbeitern sowie das Weiterbestehen der eigenen Firma. Darüber hinaus beschäftigt viele Kunden die Frage, wie es weitergeht und ob es irgendwann wieder so werden wird wie vor Corona.

Wie beurteilen Sie die Corona-Krise im Vergleich zu anderen schweren Krisen?

Corona fordert von jedem Einzelnen von uns Einschränkungen in einem bislang nie dagewesenen Ausmaß. Und da die ganze Welt von der Krise betroffen ist, werden, meiner Ansicht nach, die Folgen dieses Mal schwerwiegender sein als bei bisherigen Krisen.

Wie beurteilen Sie das Management der Krise durch die Regierung bzw. ihren Arbeitgeber?

Gut sind meines Erachtens die sehr rigorosen Eindämmungs- und Unterstützungsmaßnahmen der Regierung. Wünschenswert wären einheitliche Regelungen bei Themen wie Maskenpflicht, Schulstart und Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs in Handel und Gastronomie.

Was meinen Arbeitgeber, die Hausbank München, angeht, habe ich das kurzfristige und schnelle Handeln sofort nach Beginn der Krise, die den Mitarbeitern und Führungskräften eingeräumte Flexibilität und Handlungsmöglichkeiten sowie das unbürokratische Hand-in-Hand-Arbeiten zwischen den Abteilungen sehr begrüßt.  


„Wir werden Krisen nie gänzlich beherrschen oder verhindern können“

Josef Sperl, Abteilungsleiter Immobilienbesitzer, seit zwei Jahren bei der Hausbank München

Welche war die schlimmste Krise, die Sie erlebt haben?

Das kann ich gar nicht sagen. Zwar relativiert sich im Rückblick das Bild einer Krise, doch generell beinhaltet jede große Krise ein Weltuntergangsszenario. Ich habe zahlreiche Krisen der Vergangenheit in dem Moment ihres Auftretens immer als schlimm erlebt: Das Platzen der Dotcom-Blase, die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die Finanzkrise.

Wie haben Sie die Krisen damals erlebt?

Das Platzen der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland Anleger mit sogenannten „Volksaktien“ wie der Telekom-Aktie erstmals in signifikanter Weise Geld an der Börse investierten – war eine finanzielle Katastrophe für viele Kunden. Tausende Kleinanleger hatten in Aktien von Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodell, das oftmals mehr als fraglich war, sie nicht verstanden hatten. Die Krise hatte aber den positiven Effekt, dass die Anleger bei der Anlagewelle des letzten Jahrzehnts die Regel „Investiere nur in das, was du auch verstehst“ vermehrt beachteten.
Bei den Ereignissen vom 11. September 2001, als Terroristen zwei gekaperte Maschinen in das New Yorker World Trade Center steuerten, war ich mir nicht sicher, ob die Bilder, die ich im Fernsehen sah, der Realität entsprachen, und ob die Geschehnisse möglicherweise einen neuen Weltkrieg auslösen würden.

Bei der Finanzkrise im Jahr 2008 war ich mir am Freitag vor dem Wochenende nicht sicher, ob es den Euro nach dem Wochenende, zumindest in der bestehenden Form, noch geben würde.

Was haben Sie aus den Krisen gelernt?

Erstens: Krisen sind weder vom Zeitpunkt des Auftretens noch von ihrer Art oder ihren Auswirkungen her vorhersehbar. Daher sollte jeder – privat und geschäftlich – nach den allgemein üblichen Regeln Vorsorge für mögliche Unwägbarkeiten treffen, auch wenn man sich natürlich nicht gegen alle Risiken absichern kann. Zweitens: Krisen werden wir nie gänzlich beherrschen oder verhindern können. Drittens: Ruhe bewahren und ein effektives Krisenmanagement etablieren, um die Auswirkungen der Krise zu minimieren. Und schließlich viertens: Krisen bieten immer auch Chancen – getreu dem Motto „kaufen, wenn die Kanonen donnern!“.

Welche Fragen beschäftigen Kunden in der aktuellen Krise ganz besonders?

In der jetzigen Corona-Krise ist jeder zum ersten Mal von dem Thema Gesundheit – für sich und seine Familie – betroffen. Dies führt neben dem Shutdown, wenn auch nur gefühlt, zu einer Verschärfung der persönlichen Situation. In zweiter Hinsicht beschäftigt unsere Kunden, wie stark die wirtschaftlichen Folgen und Einkommensverluste sein werden.

Wie beurteilen Sie die Corona-Krise im Vergleich zu anderen schweren Krisen?

Die Corona-Krise hat bei vielen Menschen den Blick wieder auf das eigentlich Wichtige, nämlich die Gesundheit, gelenkt. Das ist ein Effekt, den es bei anderen Krisen nicht gab, was aber durch die Natur einer Pandemie bedingt ist.

Da wir auch keine Erfahrung mit Pandemien haben, können wir nicht auf ein Patentrezept zurückgreifen. Und so verfolgt jedes einzelne Land eine unterschiedliche Strategie. Ich bin mir nicht sicher, ob beispielsweise der schwedische Weg ohne Shutdown nicht der bessere ist. Ich bin aber davon überzeugt, dass Deutschland aufgrund seiner relativ geringen Verschuldung und der damit verbundenen Chance, die Wirtschaft zu stimulieren, stärker als andere EU-Länder aus der Krise hervorgehen wird. Für das zweite Halbjahr 2020 bzw. Anfang 2021 gehe ich von einer starken Nachfragedynamik in vielen Bereichen aus, da die Karten neu gemischt werden.

Wie beurteilen Sie das Management der Krise durch die Regierung bzw. ihren Arbeitgeber?

Das Krisenmanagement speziell in Bayern ist für mich sehr klar und nachvollziehbar. Wichtig wäre mir eine stetige Nachkontrolle der Ansteckungsraten, um im Worst Case möglichst schnell gegensteuern zu können.

Ebenso klar hat sich die Hausbank München positioniert und ist der Krise mit konsequenten Regelungen zum Schutz ihrer Mitarbeiter und Kunden entgegengetreten. Das gibt den Mitarbeitern Sicherheit. Die Hausbank München gibt es schon seit über einem Jahrhundert und sie hat in dieser Zeit viele Krisen erfolgreich gemeistert. Aufgrund dieser Erfahrung und unserer sehr stabilen finanziellen Situation bin ich mir sicher, dass wir auch diese Krise besser als andere bewältigen werden.


„Wir sind wie eine große Familie, in der man sich gegenseitig hilft und unterstützt“

Bernd Völkl, Kundenberater immobilienwirtschaftlicher Vertrieb, seit 43 Jahren bei der Hausbank München

Welche war die schlimmste Krise, die Sie erlebt haben?

Im Laufe meines Berufslebens habe ich bereits einige Krisen miterlebt – im Vergleich zur Corona-Krise war aber keine annähernd so bedrohlich wie die jetzige. Das Virus kann jeden treffen und, wenn es schlecht läuft, endet die Erkrankung tödlich. Die bisherigen Krisen hatten nicht dieses lebensbedrohliche Potenzial. Da ich im immobilienwirtschaftlichen Vertrieb tätig bin, sind mir insbesondere Krisen in Erinnerung, die den Immobilienmarkt betreffen, wie beispielsweise die Schrottimmobilienkrise in den Neuen Bundesländern Anfang der 1990iger Jahre.

Wie haben Sie die Krise damals erlebt?

Nach der Wende hatten unzählige Anleger sogenannte Ost-Immobilien erworben. Ein paar Jahre später mussten viele der oftmals verschuldeten Immobilien zwangsversteigert werden, die zudem überteuert erworben worden waren. Die finanzierenden Banken hatten nach Ablauf der Vermietungsgarantie wegen fehlender Mieteinnahmen die Darlehen gekündigt.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Man sollte sich niemals zu einer Investition drängen lassen – auch dann nicht, wenn die Gelegenheit noch so günstig und einmalig erscheint oder von einem Dritten so dargestellt wird. Insbesondere der Kauf einer Immobilie ist eine langfristige und weitreichende Entscheidung. Vor dem Kauf sollten daher neben der Finanzierung auch Fragen in Bezug auf die eigenen Lebenspläne beantwortet werden: Welche finanziellen Belastungen sind bei einer veränderten Lebenssituation noch tragbar? Was passiert bei Schicksalsschlägen wie dem Tod des Partners oder im Fall einer Trennung?

Welche Fragen beschäftigen Kunden in der aktuellen Krise ganz besonders?

In der aktuellen Situation finden verstärkt Gespräche mit unseren Kunden statt und es herrscht ein reger Austausch über die Krise und ihre Auswirkungen. Unsere Kunden aus dem Immobilienbereich sind verunsichert und suchen unseren Rat. Sie wollen wissen, wie es mit ihren Darlehen weitergeht, oder was sie tun können, wenn ihre Mieter die Miete nicht weiterzahlen. Gerade in dieser schwierigen Zeit schätzen sie das Engagement und die individuelle Betreuung durch unsere Berater. Da die Hausbank München sehr schnell reagiert und ihren Mitarbeitern unverzüglich Arbeiten im Home Office ermöglicht und sie entsprechend geschult hat, waren die Berater für die Kunden nahezu übergangslos erreichbar.

Wie beurteilen Sie die Corona-Krise im Vergleich zu anderen schweren Krisen?

Anders als bei den vorangegangenen Krisen spüre ich bei der aktuellen Krise eine große Solidarität – nicht nur allgemein, sondern auch unter den Kollegen. Wir sind wie eine große Familie, in der man sich gegenseitig hilft und unterstützt. Alle halten zusammen und ziehen an einem Strang, um gut durch und gestärkt aus der Krise zu kommen. Vielleicht ist das aber auch eine Besonderheit unserer Bank als genossenschaftliches Institut. Wenn sich die Gemeinschaft und die Mitarbeiter in einer Firma mit entsprechender sozialer Kompetenz gegenseitig unterstützen, kann aus einer Krise eine neue Chance entstehen, indem Chancenintelligenz genutzt wird. Hier trifft wahrlich Zukunft auf Vertrauen.

Wie beurteilen Sie das Management der Krise durch die Regierung bzw. ihren Arbeitgeber?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, aber auch im weltweiten Vergleich, bin ich mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung insgesamt zufrieden. Es ist uns in Deutschland – zumindest bisher – gelungen, unsere Kliniken vor einer Überlastung zu bewahren, sodass niemand wegen eines fehlenden Beatmungsgerätes sterben musste.
Der genossenschaftliche Charakter der Hausbank München und die Tatsache, dass sie anders als Großbanken keine unverhältnismäßigen Risiken eingeht, trägt sicher dazu bei, dass wir uns auch auf unsichere Zeiten gut einstellen und vorausschauend handeln können. Um ihre Mitarbeiter und Kunden zu schützen und um das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten, hat die Hausbank München, wie bereits erwähnt, sehr frühzeitig Arbeiten im Home Office ermöglicht. Ein schnelles, gemeinsames Umdenken und die Bereitschaft, sofort flexibel zu handeln, hat im entscheidenden Moment viel geholfen. Die Führungskräfte versuchen, mit den Mitarbeitern in ständigem Kontakt zu bleiben, kommunizieren mit uns auf Augenhöhe, sehr persönlich und mit Respekt. Und nicht zuletzt: Nicht alle Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern in solch schweren Zeiten weiter einen sicheren Arbeitsplatz und ein geregeltes Einkommen.


„Es wird eine Zeit nach Corona geben und wir sollten über die Konsequenzen nachdenken“

Peter Christ, Kundenbetreuer und Wertpapierhändler, seit 36 Jahren bei der Hausbank München

Welche war die schlimmste Krise, die Sie erlebt haben?

Ich betreue seit vielen Jahren in der Hausbank München vermögende Privatkunden. Darüber hinaus bin ich Wertpapierhändler und von daher mit den Kapitalmärkten bestens vertraut. Während meiner beruflichen Tätigkeit bin ich schon mit einigen schwierigen Situationen und auch Börsencrashs konfrontiert worden. Dabei habe ich die Finanzkrise im Jahr 2008 als besonders schlimme Krise in Erinnerung.

Wie haben Sie die Krise damals erlebt?

Auslöser der Krise war bekanntermaßen das Platzen der Immobilienblase in den USA. Damals erhielten unzählige US-Bürger einen Immobilienkredit, obwohl sie sich mangels entsprechender Einkommen eigentlich gar keine Immobilie leisten konnten. Hinzu kam, dass die Kredite meist mit einer variablen Verzinsung ausgestattet waren, mit der Folge, dass bei einem Anstieg der Zinsen die Kreditnehmer die Kreditlast nicht mehr tragen konnten.
Ich konnte damals gar nicht fassen, dass die Banken Hypothekendarlehen teilweise ohne Einkommensnachweis an so viele Menschen ausgereicht hatten. Wäre das nicht geschehen, wäre uns eine weltweite, tiefgreifende Krise erspart worden. Nachdem am 15. September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet hatte, überschlugen sich die Ereignisse. Die Börsen gingen weltweit auf Talfahrt und die US-Regierung musste die Finanzbranche mit 700 Milliarden Dollar stützen. Im Oktober 2008 beschloss die Bundesregierung das bis zu diesem Zeitpunkt teuerste Gesetz der deutschen Geschichte – einen Rettungsschirm für die Banken in Höhe von fast 500 Milliarden Euro.
Die gewaltigen Rettungsprogramme mit den für mich unvorstellbar hohen Summen hatten jedoch schwerwiegende Konsequenzen: Die Verschuldung der Staaten stieg enorm an. Eigentlich hätte die Folge ein Anstieg der Zinsen sein müssen – durch den Eingriff der Notenbanken wurde dies jedoch verhindert. Das niedrige Zinsniveau – mit all seinen negativen Auswirkungen auf Sparanlagen und die Altersvorsorge – wird uns noch viele Jahre begleiten.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Ganz wichtig war damals der enge Kontakt zu unseren Kunden. In regelmäßigen Gesprächen haben wir versucht, die Situation zu erläutern, und über die Fakten gesprochen. Das war deshalb wichtig, weil die Medienberichterstattung extrem negativ war und die Kunden entsprechend verunsichert waren. Ich hatte bei der damaligen Berichterstattung manchmal den Eindruck, dass die Welt untergehen könnte, was natürlich nicht passiert ist.
Die Krise hat mich in meinem Credo bestätigt, dass es von entscheidender Bedeutung ist, Vermögen ausgewogen zu strukturieren und auf verschiedene Anlageklassen zu verteilen. Eine Investition ausschließlich in eine Anlageklasse ist gefährlich. Dies ist natürlich sehr individuell und damit bei jedem Kunden unterschiedlich.

Weiterhin hat für mich die Krise noch einmal deutlich gemacht, dass man nur in Kapitalanlageprodukte investieren darf, deren Funktionsweise man versteht. Im Zweifel sollte man von zu komplexen Strukturen die Finger lassen.

Welche Fragen beschäftigen Kunden in der aktuellen Krise ganz besonders?

Bei der aktuellen Corona-Krise ist die Situation etwas anders. Durch die Ausgangssperre beschränkt sich der Kundenkontakt bei Beratungen auf Telefongespräche. In diesen Gesprächen stelle ich fest, dass die meisten Kunden nicht primär um die Wertentwicklung ihrer Geldanlagen bangen. Die meisten gehen davon aus, dass sich die Börsen wieder erholen werden.

Vielmehr sorgen sich die Kunden um ihre Gesundheit und hoffen, sich nicht anzustecken. Außerdem beschäftigt die Kunden, mit welchen Veränderungen wir zukünftig aufgrund der Virusinfektion leben müssen. Wird die Maske, so wie im asiatischen Raum, auch bei uns ein unverzichtbares Accessoire – und das möglicherweise dauerhaft?

Darüber hinaus sorgen sich unsere Kunden über die wirtschaftliche Entwicklung und ihre Konsequenzen. Erste Kunden berichten davon, dass Wohnungen oder Geschäftsräume aktuell nicht vermietet werden können. Auch gibt es Kunden, deren gewerbliche Mieter angekündigt haben, die Miete auszusetzen. Das verursacht temporäre Einnahmeausfälle, die aber kompensiert werden müssen, da die Kosten weiterlaufen.

Wie beurteilen Sie die Corona-Krise im Vergleich zu anderen schweren Krisen?

Die Corona-Krise ist sicherlich die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Noch nie zuvor wurde die Wirtschaft fast weltweit komplett heruntergefahren. Und Ausgangssperren waren in der westlichen Welt bisher unvorstellbar.

Die wirtschaftlichen Folgen werden erheblich sein und zu einer tiefen Rezession führen. Die Auswirkungen, beispielsweise auf Lieferketten, werden deutlich zu spüren sein, und sind meiner Meinung nach heute noch gar nicht abzusehen. An den internationalen Börsen führte die Situation zu einem starken Kursrückgang. So hat sich zum Beispiel der Aktienindex der 30 größten deutschen Unternehmen DAX innerhalb eines Monats fast halbiert.

Zwischenzeitlich hat sich die Börse zwar wieder etwas erholt, die Situation ist aber noch immer sehr unübersichtlich. Aber nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen sind in erhebliche Schwierigkeiten geraten, und ich hoffe, dass der Shutdown möglichst bald wieder gelockert werden kann.

Auch am Immobilienmarkt wird die Krise nicht spurlos vorübergehen. Zwar hat München durch die Vielfalt und hohe Zahl an Arbeitsplätzen und einer bisher niedrigen Arbeitslosigkeit eine stabile Ausgangslage. Aber der starke Preisanstieg bei Immobilien der letzten Jahre dürfte vorerst beendet sein. Auch wird es zukünftig schwieriger sein, hochpreisige Wohnungen zu vermieten.

Ich bin allerdings davon überzeugt, dass es – eher früher als später – ein Medikament oder einen Impfstoff geben wird und das Virus behandelt werden kann. Dann muss die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden. Es wird eine Zeit nach Corona geben und wir sollten über die Konsequenzen nachdenken.

Wie beurteilen Sie das Management der Krise durch die Regierung bzw. ihren Arbeitgeber?

Dass die Regierung schnell gehandelt und eine Ausgangssperre verhängt hat, ist für mich nachvollziehbar. Da Banken als systemrelevant gelten, konnte die Hausbank München den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.

Die Hausbank München hat sehr schnell reagiert und einen gut funktionierenden Notfallplan erstellt. In sehr kurzer Zeit wurden zahlreiche Notebooks angeschafft. Das ist nicht ganz trivial, denn die Notebooks müssen einem hohen Sicherheitsstandard entsprechen und sind deshalb nicht leicht zu beschaffen. Mit Hilfe der Notebooks konnten viele Mitarbeiter ihrer Tätigkeit vom Home Office aus nachgehen. Es wurden Teams gebildet, von denen jeweils einige Mitarbeiter von zu Hause arbeiten und andere vor Ort in der Bank. Nach einer gewissen Zeit wird gewechselt. Durch diese Aufteilung wurde das Infektionsrisiko so gut wie möglich minimiert. Bis heute haben wir keinen Corona-Fall in der Bank – hoffentlich bleibt das so!

Darüber hinaus wurde Mitarbeitern mit Kindern, die von der Schließung der Kitas und Schulen betroffen sind, durch flexible Modelle ermöglicht, ihre Arbeit zu erledigen. Das löst zwar nicht alle Probleme, hilft aber schon ein gutes Stück weiter.